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Die Kaiserinwitwe im China der Späteren Han-Dynastie: |
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Alexander Brosch |
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Deutsche Ostasienstudien 59 |
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Während Frauen in der männerdominierten Welt der Späteren Han-Dynastie in ihren Möglichkeiten zum Aufstieg in Machtpositionen großen Einschränkungen unterworfen waren, bot ihnen ein Teil der konfuzianischen Konzeptionen von Familie Wege, dennoch großen Einfluss auszuüben. So verpflichtete der gesellschaftliche Kernwert der kindlichen Pietät Söhne dazu, ihren Müttern auch noch im Erwachsenenalter mit Gehorsamkeit bis hin zur Unterwürfigkeit zu begegnen. Umso mehr galt dies, sobald eine Mutter durch den Tod ihres Gatten zum Familienoberhaupt aufstieg.
Selbst der Kaiser war von diesen gesellschaftlichen Normen nicht ausgenommen und schuldete der Witwe seines Vorgängers kindliche Pietät, wodurch der Kaiserinwitwe innerhalb der Machtstrukturen des Kaiserhofs eine herausgehobene Position zukam: Sie stand als einziger Mensch in gewisser Hinsicht über dem Kaiser. Zudem konnte sie, sollte ihr Ehegatte keine anderweitigen Vorkehrungen getroffen haben, nach dessen Ableben unter seinen Söhnen und jüngeren Verwandten einen Nachfolger auswählen und auf den Kaiserthron bringen. Herkommen und Recht akzeptierten minderjährige, unter dem Vormund eines Erwachsenen stehende Kaiser, sodass es mehreren Kaiserinwitwen gelang, einen sich noch im Kindesalter befindlichen Kaiser zu bestimmen, für diesen die Regentschaft zu übernehmen und somit für kürzere oder längere Zeit höchstselbst über das Reich zu herrschen. Die gesellschaftliche Fundierung der Stellung der Kaiserinwitwe sowie die Praxis der Regentschaftsausübung sind mithin die Themen, die das vorliegende Buch behandelt. Alexander Brosch (geb. 1992) ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sinologie und Ostasienkunde der Universität Münster. Das vorliegende Buch ist eine überarbeitete Fassung seiner im Juli 2024 verteidigten Dissertation. Ausgehend von seinem Interesse für kulturgeschichtliche Hintergründe gesellschaftlicher, insbesondere auch auf die Familie bezogener Entwicklungen, beschäftigt sich der Autor in seinem nächsten Forschungsprojekt schwerpunktmäßig mit Geschwisterbeziehungen im China ab der mittleren Kaiserzeit. |
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